Fastnacht vor 100 Jahren

Fastnacht vor 100 Jahren

1924 wurde die Fastnacht wieder erlaubt, nur der Straßenkarneval blieb verboten. 1925 feierte die Heidelberger Perkeo-Gesellschaft mit Sitzungen, Weinprobe und großem Maskenball „Auf dem Monde“. Vizepräsident Karl Zolk glänzte prächtig mit Orden.

 

Fastnacht vor 100 Jahren 
Perkeo-Vizepräsident Karl Zolk mit Orden dekoriert
Dir Fröhlichkeit der 20ger Jahre

 

Eine närrische Zeitreise ins Jahr 1925

Wie feierten die Heidelberger vor über 100 Jahren Fastnacht, und was bewegte die Stadt damals? Ein historisches Programm der Großen Carnevalsgesellschaft „Perkeo“ aus dem Jahr 1925 gibt spannende Einblicke. Nachdem die Fastnacht erst 1924 wieder erlaubt worden war, lebte das närrische Treiben in den Heidelberger Gaststätten und Festsälen erneut auf. Der Straßenkarneval blieb allerdings weiterhin verboten.

Den Auftakt bildete am 13. Februar eine „Carnevalistische Weinprobe“ bei Präsident Valentin Dorner in der Römerstraße 15a, natürlich um 20.11 Uhr. Am 17. Februar folgte eine karnevalistische Sitzung bei Elferrat Robert Kohler im „Pfälzer“, bevor am 19. Februar zur großen Damen-Fremden-Sitzung in den „Rodensteiner“ eingeladen wurde. Dort fand am Rosenmontag, dem 23. Februar, auch die große Schlusssitzung mit anschließendem Ball und Ordensfest statt. Den glanzvollen Abschluss bildete am Fastnachtsdienstag ein großer Maskenball unter dem fantasievollen Motto „Auf dem Monde“ in der Heidelberger Stadthalle.

Doch auch außerhalb der närrischen Säle war 1925 in Heidelberg einiges los. Nur wenige Tage nach Fastnacht, am 5. März, wurde der gebürtige Heidelberger und erste Reichspräsident der Weimarer Republik, Friedrich Ebert, unter großer Anteilnahme auf dem Bergfriedhof beigesetzt. Im Juni wurde das umgebaute Heidelberger Theater feierlich wiedereröffnet. Ein bedeutender Fortschritt war auch die Inbetriebnahme der Staustufe Wieblingen am 15. Juni, mit der erstmals der Neckar aufgestaut wurde. Im September rückte Heidelberg erneut in den Mittelpunkt des politischen Geschehens, als die SPD hier ihren Reichsparteitag abhielt und das sogenannte Heidelberger Programm verabschiedete.

Ein eindrucksvoller Repräsentant der damaligen Perkeo-Fastnacht war Vizepräsident Karl Zolk, der auf einer historischen Aufnahme stolz seine zahlreichen Orden und Auszeichnungen präsentiert. Die künstlerische Leitung der Veranstaltungen lag in den Händen des Ehrenpräsidenten und Zahnarztes Dr. Dietrich, dessen Telefonnummer 2582 sogar im Programm abgedruckt war.

Das Jahr 1925 war somit für Heidelberg eine Zeit zwischen Tradition und Aufbruch. Während sich das Stadtbild und das gesellschaftliche Leben weiterentwickelten, suchten die Menschen nach den schweren Jahren des Ersten Weltkriegs wieder Freude, Gemeinschaft und unbeschwerte Stunden. Die Perkeo-Gesellschaft trug mit ihren festlichen Sitzungen, fantasievollen Maskenbällen und ihrem närrischen Humor dazu bei. Über 100 Jahre sind vergangen, doch der närrische Geist ist geblieben.