Oskar Rauscher (1907–1974) prägte als Büttenredner, Mundartdichter und Mitbegründer der wiedergegründeten Perkeo-Gesellschaft die Heidelberger Fastnacht. Mit seinem Humor, dem „Sume-Lied“ und seiner Liebe zur Altstadt blieb er unvergessen. 2027 wäre er 120 Jahre alt geworden
Oskar Rauscher wäre 120 Jahre alt
Der Vater des Heidelberger Sumelieds ist unvergessen
Ein Schreinermeister der Heimatdichtkunst
Oskar Rauscher – Ein Heidelberger Original und Meister der Fastnacht
Mit seinen Büttenreden, Mundartgedichten und Liedern prägte Oskar Rauscher über viele Jahrzehnte die Heidelberger Fastnacht. Seine Liebe galt der Altstadt, ihren Menschen und vor allem den Heidelberger „Sume“. Als Mitbegründer der wiedergegründeten Perkeo-Gesellschaft und leidenschaftlicher Fastnachter hinterließ er Spuren, die bis heute in Erinnerung geblieben sind.
Oskar Rauscher wurde 1907, im Gründungsjahr der Perkeo-Gesellschaft, in Freiburg geboren. Sein Vater stammte aus Kehl am Rhein, seine Mutter war eine Tochter des Heidelberger Pflastermeisters Sommer. Schon in jungen Jahren musste Rauscher schwere Schicksalsschläge verkraften. Sein Vater fiel als Soldat im Ersten Weltkrieg, nur ein Jahr später verlor er auch seine Mutter. Zunächst fand der früh verwaiste Junge Aufnahme in einem privaten Waisenhaus, ehe ihn sein Onkel und seine Tante zu sich holten. So führte ihn sein Lebensweg nach Heidelberg, jener Stadt, die fortan zu seiner Heimat und später zur unerschöpflichen Quelle seiner fastnachtlichen Inspiration werden sollte.
Im Haus seiner Großeltern an der Unteren Neckarstraße, Ecke Brunnengasse, fand Oskar Rauscher ein neues Zuhause. Hier, mitten in der Heidelberger Altstadt, wuchs er auf und lernte das Leben, die Menschen und den unverwechselbaren Charakter seines neuen Umfelds kennen. Die Eindrücke dieser Jahre sollten ihn sein Leben lang begleiten und später in zahlreichen Gedichten, Liedern und Büttenreden ihren Niederschlag finden. Beruflich entschied er sich für das Schreinerhandwerk, das er von Grund auf erlernte und in dem er es schließlich bis zum Meister brachte.
Doch auch der Zweite Weltkrieg hinterließ tiefe Spuren in seinem Leben. Als Leutnant geriet Rauscher nach Kriegsende zunächst in polnische und später in russische Gefangenschaft. Nach seiner Rückkehr nach Heidelberg fand er nicht nur in seiner Heimatstadt wieder Anschluss, sondern engagierte sich auch für den Neubeginn der Fastnacht. Er gehörte zu den Wiedergründern der Perkeo-Gesellschaft, der er fortan mit großer Leidenschaft und Treue verbunden blieb. Bis zu seinem Tod am 5. Juli 1974 bereicherte er das Vereinsleben insbesondere als Büttenredner, Mundartdichter und Verfasser humorvoller Texte.
Wenn sich alljährlich der 11. November näherte, begann für Oskar Rauscher die wohl schönste Zeit des Jahres. Dann erwachte seine fastnachtliche Leidenschaft zu neuem Leben, und mit großer Vorfreude machte er sich an die Vorbereitungen für die kommende Kampagne. Viel brauchte der eingefleischte Fastnachter nicht, um seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Was für ihn zum Glücklichsein und Dichten gehörte, brachte der „Ehrensume h. c.“ selbst mit einem Augenzwinkern auf den Punkt: „ä Pfeifel voll Tabak“ und „ä Gläsel voll Wein“. Zwei kleine Genüsse, die offenbar ausreichten, um seinen Ideen und seinem Humor den nötigen Schwung zu verleihen.
Viele Abende verbrachte Rauscher an seiner Schreibmaschine, wo er mit wachem Blick das Geschehen seiner Zeit aufgriff und in humorvolle Verse verwandelte. Ob kleine Begebenheiten aus dem Alltag, Eigenheiten seiner Mitmenschen oder aktuelle Ereignisse – kaum etwas entging seiner Aufmerksamkeit. Mit feinem Gespür für Sprache, treffsicherem Witz und einer guten Portion Heidelberger Mutterwitz entstanden Texte, die das Publikum zum Lachen brachten, gelegentlich aber auch zum Nachdenken anregten. Dabei verstand er es meisterhaft, die Menschen auf die Schippe zu nehmen, ohne den liebevollen Blick auf sie zu verlieren.
Seine fastnachtliche Laufbahn hatte bereits Mitte der 1920er-Jahre beim Heidelberger Turnverein begonnen. Dort machte er nicht nur als talentierter Redner auf sich aufmerksam, sondern feierte auch als Sportler beachtliche Erfolge. Im Laufe der Jahre entwickelte sich Rauscher zu einem gefragten Büttenredner und Mundartdichter, dessen Bekanntheit weit über die Grenzen Heidelbergs hinausreichte. Seine Gedichte, Liedtexte und Vorträge waren geprägt von einer unverwechselbaren Mischung aus Humor, Heimatverbundenheit und sprachlicher Originalität.
Seine besondere Liebe aber galt stets Heidelberg, vor allem der Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen, ihren traditionsreichen Häusern und den Menschen, die ihr ein unverwechselbares Gesicht verliehen. Die Heidelberger Originale mit ihren kleinen Schwächen, liebenswerten Eigenarten und ihrem ganz eigenen Humor boten ihm reichlich Stoff für seine Verse. Rauscher verstand es, ihnen mit seinen Texten ein literarisches Denkmal zu setzen und zugleich ein Stück Heidelberger Lebensgefühl festzuhalten.
Eine besondere Herzensangelegenheit waren ihm die Heidelberger Kinder, die in der heimischen Mundart liebevoll „Sume“ genannt werden. Ihnen fühlte er sich eng verbunden und setzte sich dafür ein, dass auch die Jüngsten ihren festen Platz in der Fastnacht erhielten. So gehörte Oskar Rauscher zu den Initiatoren der Fastnachts-Sume-Umzüge in den Jahren 1950 und 1951. Mit diesen Veranstaltungen wurde den Heidelberger Kindern die Möglichkeit gegeben, selbst Teil des närrischen Geschehens zu werden und die Freude an der Fastnacht hautnah mitzuerleben.
Ein ganz besonderes musikalisches Denkmal setzte er ihnen mit seinem berühmten „Sume-Lied“. Das Lied entwickelte sich zu einem seiner bekanntesten und beliebtesten Werke und brachte seine Zuneigung zu den Heidelberger Kindern auf unverwechselbare Weise zum Ausdruck. Zugleich spiegelte es jene tiefe Heimatverbundenheit wider, die sein gesamtes dichterisches Schaffen prägte.
Oskar Rauscher war weit mehr als ein begabter Büttenredner. Er war ein leidenschaftlicher Fastnachter, ein Meister der Heidelberger Mundart und ein aufmerksamer Beobachter des alltäglichen Lebens. Mit seinen Versen und Liedern verstand er es, Menschen zusammenzubringen, Erinnerungen wachzuhalten und die Eigenheiten seiner Heimatstadt auf humorvolle Weise festzuhalten. Dabei blieb er stets bodenständig und seiner Heimat eng verbunden.
Mit seinem Tod am 5. Juli 1974 verlor die Perkeo-Gesellschaft eine prägende Persönlichkeit und die Heidelberger Fastnacht eine ihrer unverwechselbaren Stimmen. Was von Oskar Rauscher geblieben ist, sind nicht nur seine Büttenreden, Gedichte und Lieder, sondern auch die Erinnerung an einen Menschen, der die Fastnacht mit Herz, Humor und echter Heidelberger Lebensart erfüllte. Sein Wirken ist damit ein wertvolles Stück der Geschichte der Perkeo-Gesellschaft und der Heidelberger Fastnacht.