Perkeo Karl Klebes

Perkeo Karl Klebes

Karl Klebes (1903–1972) prägte als Symbolfigur Perkeo und Sitzungspräsident die Heidelberger Fastnacht und die Perkeo-Gesellschaft. 1953 eröffnete er das Tiergartenbad mit einem Kopfsprung vom Zehnmeterturm im Frack. 1971 erhielt er als zweiter Bürger Heidelbergs die Bürgermedaille.

 

Perkeo Karl Klebes 
Von Kind an ein Heidelberger Fastnachter
1971 zweiter Träger der Bürgermedallie 

 

Karl Klebes – Der legendäre Perkeo von Heidelberg

Karl Klebes (1903–1972) gehörte zu den außergewöhnlichsten Persönlichkeiten der Heidelberger Stadtgeschichte. Über vier Jahrzehnte verkörperte er den legendären Hofnarren Perkeo, prägte als langjähriger Sitzungspräsident die Heidelberger Fastnacht und engagierte sich für das gesellschaftliche und sportliche Leben seiner Heimatstadt. Sein Wirken wurde 1971 mit der Bürgermedaille der Stadt Heidelberg gewürdigt. Er war erst der zweite Bürger, dem diese besondere Ehre zuteilwurde.

Ein Leben für die Heidelberger Fastnacht

Die Begeisterung für die Fastnacht begleitete Karl Klebes bereits seit frühester Kindheit. Schon im Alter von vier Jahren soll er als kleiner Gardist bei der Heidelberger Karnevalsgesellschaft „Fröhliche Pfälzer“ mitgewirkt haben. Aus dieser frühen Leidenschaft entwickelte sich eine lebenslange Verbundenheit mit dem närrischen Brauchtum. 1929 trat Klebes bei einem Maskenball erstmals als Perkeo auf. Seine Darstellung des legendären Hofnarren, der einst als Wächter des Großen Fasses im Heidelberger Schloss berühmt geworden war, begeisterte das Publikum und wurde mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Dieser Auftritt sollte sein weiteres Leben prägen. Karl Klebes machte die historische Figur zu einem lebendigen Symbol der Heidelberger Fastnacht. Mit Humor, Schlagfertigkeit und seinem unverwechselbaren Auftreten gewann er die Herzen vieler Heidelberger. Als die „Fröhlichen Pfälzer“ 1935 in der Perkeo-Gesellschaft aufgingen, übernahm Klebes das Amt des Sitzungspräsidenten. Bis 1959, insgesamt 24 Jahre lang, führte er die närrischen Sitzungen und bestimmte maßgeblich das Erscheinungsbild der Gesellschaft. Unter seiner Leitung entwickelten sich die Prunksitzungen zu bedeutenden gesellschaftlichen Veranstaltungen. Auch über die Stadtgrenzen hinaus machte Klebes auf die Heidelberger Fastnacht aufmerksam. Historische Berichte erwähnen Auftritte in England, bei denen er gemeinsam mit anderen Heidelberger Fastnachtern die Traditionen seiner Heimatstadt repräsentierte.



Bewahrer der Tradition in schwierigen Zeiten

Eine besondere Rolle spielte Karl Klebes beim Wiederaufbau der Heidelberger Fastnacht nach dem Zweiten Weltkrieg. Nach Jahren der Unterbrechung gehörte er zu den treibenden Kräften, die das närrische Leben wiederbelebten. Im Februar 1949 fand im Heidelberger Odeon-Keller eine der ersten großen Veranstaltungen der wiedergegründeten Perkeo-Gesellschaft statt. Karl Klebes führte dabei den Elferrat an. Noch im selben Jahr zog wieder ein Fastnachtsumzug durch Heidelberg. Unter dem Motto „11 Narren machen eine Stadt verrückt“ kehrte ein Stück Lebensfreude in die Straßen zurück. Klebes verstand die Fastnacht nicht nur als Unterhaltung. Sie bedeutete für ihn Gemeinschaft, Heimatverbundenheit und die Pflege einer jahrhundertealten Tradition. Gerade in den schwierigen Nachkriegsjahren trug sein Engagement dazu bei, den Menschen wieder Freude und Zuversicht zu vermitteln. 1959 gab er das Amt des Sitzungspräsidenten an Walter Marschall ab. Als Anerkennung seiner Verdienste wurde er 1960 zum Ehren-Sitzungspräsidenten ernannt. Die Rolle des Perkeo verkörperte er jedoch weiterhin bis zu seinem Tod im Jahr 1972.

Der spektakuläre Kopfsprung zur Eröffnung des Tiergartenbads

Eine der außergewöhnlichsten Geschichten seines Lebens ereignete sich am 26. Juli 1953, als das neue Heidelberger Tiergartenfreibad feierlich eröffnet wurde.Karl Klebes sorgte dabei für einen Auftritt, der noch Jahrzehnte später in der Stadtgeschichte Erwähnung fand. Im schwarzen Frack bestieg er den zehn Meter hohen Sprungturm des neuen Schwimmbads. Oben angekommen, goss er zunächst eine Flasche Sekt in das Schwimmerbecken. Anschließend sprang er kopfüber aus zehn Metern Höhe ins Wasser. Mit diesem spektakulären Sprung weihte er das Tiergartenbad auf seine ganz persönliche Weise ein.Diese bemerkenswerte Begebenheit ist keine bloße Legende. Die Stadt Heidelberg bestätigte sie ausdrücklich in einer Pressemitteilung vom 18. Juli 2003 anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Tiergartenbads. 

Sein Engagement für den Heidelberger Sport ist dokumentiert: 1968 wurde er vom Sportkreis Heidelberg als Förderer des Sports ausgezeichnet. In der entsprechenden Ehrungsliste wird er dem Heidelberger Turnverein 1846 zugeordnet.Der Kopfsprung vom Zehnmeterturm zeigt eindrucksvoll, dass Karl Klebes nicht nur auf der Fastnachtsbühne für Überraschungen sorgte. Er besaß offenbar auch den Mut und die Begeisterung, ungewöhnliche Ideen in die Tat umzusetzen.

Die Bürgermedaille – eine besondere Auszeichnung

Die Stadt Heidelberg würdigte seine außergewöhnlichen Verdienste im Jahr 1971 mit der Bürgermedaille.
Diese Auszeichnung war erst 1969 geschaffen worden und zählt zu den besonderen Ehrungen der Stadt. Sie wird Persönlichkeiten verliehen, die sich in herausragender Weise um Heidelberg verdient gemacht haben. Karl Klebes war nach Professor Hermann Hoepke der zweite Mensch überhaupt, dem diese Ehre zuteilwurde.Damit würdigte die Stadt nicht nur sein jahrzehntelanges Wirken als Perkeo und Sitzungspräsident, sondern auch seinen Beitrag zur Bewahrung der Heidelberger Kultur und Tradition. Seine Auszeichnung verdeutlicht, welchen Stellenwert das ehrenamtliche Engagement und die Pflege des Brauchtums für das gesellschaftliche Leben Heidelbergs besitzen.

Eine Familientradition über Generationen

Als Karl Klebes 1972 im Alter von 68 Jahren starb, verlor Heidelberg eine seiner bekanntesten Fastnachtspersönlichkeiten. Doch seine Leidenschaft für Perkeo lebte innerhalb der Familie weiter. Sein Sohn Richard Klebes, der seinen Vater bereits als junger Mann bei zahlreichen Veranstaltungen begleitet hatte, übernahm 1974 selbst die Rolle des Perkeo. Bis 1999 verkörperte er die historische Figur und setzte damit die Familientradition fort. Über zwei Generationen hinweg war der Name Klebes eng mit dern Perkeo-Gesellschaft verbunden

Ein Mann, der Heidelberg geprägt hat

Karl Klebes war weit mehr als ein Fastnachter im historischen Kostüm. Er war ein Botschafter seiner Heimatstadt, ein Bewahrer ihrer Traditionen und ein Mensch, der mit Humor, Begeisterung und außergewöhnlichen Auftritten Generationen von Heidelbergern erfreute. Ob als Sitzungspräsident der Perkeo-Gesellschaft, als legendärer Hofnarr, als Förderer des Sports oder bei seinem unvergesslichen Kopfsprung vom Zehnmeterturm des Tiergartenbads – Karl Klebes verstand es, Menschen zusammenzubringen und bleibende Erinnerungen zu schaffen. Sein Lebenswerk wurde mit der Bürgermedaille der Stadt Heidelberg gewürdigt. Doch sein eigentliches Vermächtnis lebt in den Geschichten, Erinnerungen und Traditionen weiter, die bis heute mit seinem Namen verbunden sind.

Karl Klebes war nicht einfach nur der Darsteller des Perkeo. Für viele Heidelberger war er der Perkeo schlechthin – und damit ein unverwechselbares Stück lebendige Stadtgeschichte.