Dr. G. J. Dietrich war Zahnarzt, Mitgründer und erster Sitzungspräsident der "Großen Carneval-Gesellschaft PERKEO Heidelberg". Von 1907 bis 1935 prägte er die Heidelberger Fastnacht mit Humor, Kreativität und eigenen Liedern, darunter die erste Perkeo-Hymne.
Der erste Präsident
Zahnarzt Dr. G. J. Dietrich
Autor zahlreicher Lieder
Dr. G. J. Dietrich – Der erste Sitzungspräsident
Wenn von den Anfängen der Heidelberger Perkeo-Gesellschaft die Rede ist, darf ein Name nicht fehlen: Dr. G. J. Dietrich. Der Heidelberger Zahnarzt gehörte 1907 zu den Gründern der traditionsreichen Karnevalsgesellschaft und war ihr erster Sitzungspräsident. Fast drei Jahrzehnte lang prägte er mit seiner Persönlichkeit, seiner Kreativität und seinem Humor das närrische Leben der Stadt. Das oben gezeigte Bild wurde von einer KI erstellt uns zeigt wie dr. Dr. Dietrich um das Jahr 1907 ausgesehen haben könnte.
Ein angesehener Zahnarzt in Heidelberg
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts war Dietrich als Zahnarzt in Heidelberg tätig. Eine Anzeige in den „Akademischen Mitteilungen“ der Universität Heidelberg aus dem Wintersemester 1898/99 belegt seine Praxis in der Hauptstraße 48, im zweiten Stock, an der Ecke zur Akademiestraße. Später praktizierte er in der Hauptstraße 35, gegenüber dem damaligen Warenhaus Tietz. Eine Anzeige von 1913/14 nennt sogar seine Telefonnummer: 726. Doch Dietrich widmete sich nicht ausschließlich der Zahnheilkunde. Schon früh engagierte er sich im gesellschaftlichen und kulturellen Leben Heidelbergs. Im Adressbuch von 1906 wird er als zweiter Präsident der Karnevalsgesellschaft „Fröhliche Pfälzer“ genannt. Seine Begeisterung für die Fastnacht begann somit lange vor der Gründung der Perkeo-Gesellschaft.
Die Geburtsstunde der Perkeo-Gesellschaft
Im Jahr 1907 entwickelte Dietrich gemeinsam mit dem Weinhändler Valentin Dorner die Idee einer neuen Karnevalsgesellschaft. In der Weinstube Dorner in der Römerstraße 15a fanden sich engagierte Heidelberger zusammen. Zu den Gründern gehörten neben Dietrich und Dorner auch der Baumeister Gustav Börtlein, Metzgermeister Karl Eppel und Geschäftsführer Josef Schmitt. Die neue Vereinigung erhielt den Namen „Große Carneval-Gesellschaft Perkeo Heidelberg“. Als Symbolfigur wählte man den legendären kurpfälzischen Hofnarren Perkeo, der bis heute untrennbar mit Heidelberg verbunden ist. Dietrich übernahm 1907 das Amt des ersten Sitzungspräsidenten. Mit Witz, Schlagfertigkeit und organisatorischem Geschick entwickelte er die Veranstaltungen zu gesellschaftlichen Ereignissen. Darüber hinaus gestaltete er als künstlerischer Leiter das Programm und gab der jungen Gesellschaft ihr unverwechselbares Profil.
Der Perkeo-Elferrat im Jahre 1929. In der Mitte ihr Präsident Zahnarzt Dr. Dietrich
Ein Präsident mit künstlerischer Begabung
Eine besondere Leidenschaft Dietrichs galt dem Verfassen von Fastnachtsliedern. Bereits im Gründungsjahr 1907 schrieb er die ursprüngliche Perkeo-Hymne. Auch spätere Lieder sind überliefert, darunter ein Werk aus dem Jahr 1928 über den Heidelberger Wredeplatz. Die Gesellschaft veröffentlichte eigene Liederhefte, von denen eines aus dem Jahr 1909 erhalten geblieben ist. Diese frühen Zeugnisse zeigen, welchen Stellenwert Musik, Humor und lokale Themen unter Dietrichs Leitung besaßen. Sein Wirken wurde auch innerhalb des Vereins besonders gewürdigt. Bereits 1912 ernannte ihn die Gesellschaft zum Ehrenvorsitzenden. Sein Amt als Sitzungspräsident führte er weiterhin aus.
Eine Persönlichkeit, die in Erinnerung blieb
Wie eindrucksvoll Dietrich auf seine Mitmenschen wirkte, zeigen spätere Erinnerungen des Perkeo-Ehrensenators Robert Kolb. Dieser hatte Dietrich bereits als Kind in dessen Zahnarztpraxis kennengelernt. Kolb schilderte ihn als stattliche Persönlichkeit, die gerne dichtete und gutes Essen schätzte. Eine humorvolle Anekdote berichtet sogar, Dietrich habe an einem Abend vier Martinsgänse verspeist. Ob dies tatsächlich geschah, lässt sich nicht überprüfen. Die Geschichte zeigt jedoch, wie lebendig die Erinnerung an den ungewöhnlichen Zahnarzt innerhalb der Gesellschaft geblieben ist.
Das Ende einer prägenden Ära
Dietrichs lange Amtszeit umfasste bewegte Jahrzehnte: das Kaiserreich, den Ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik und den Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft. Trotz kriegsbedingter Unterbrechungen und politischer Veränderungen blieb er der Perkeo-Gesellschaft verbunden. 1935 gab er nach 28 Jahren das Amt des Sitzungspräsidenten an Karl Klebes ab. Die Gesellschaft würdigte seine Verdienste mit der Ernennung zum Ehrensitzungspräsidenten.Historische Fotografien aus den Jahren 1928 und 1929, darunter Aufnahmen mit Präsidentenkette und Fastnachtsmütze, bewahren sein Andenken.
Sein Vermächtnis
Über Dietrichs Privatleben ist bislang wenig bekannt. Seine vollständigen Vornamen, Geburts- und Sterbedaten sowie Angaben über seine Familie konnten noch nicht zweifelsfrei ermittelt werden.Unbestritten ist jedoch seine Bedeutung für die Heidelberger Fastnacht. Dr. G. J. Dietrich war weit mehr als ein Zahnarzt und Vereinsfunktionär. Er war Gründervater, Liedtexter, Organisator und begeisterter Fastnachter. Mit seiner Arbeit legte er einen wesentlichen Grundstein für jene Tradition, die die Perkeo-Gesellschaft bis heute pflegt.
Sein Name gehört damit zu den bedeutenden Persönlichkeiten der Heidelberger Fastnachtsgeschichte.
Quellengrundlage: Historische Chronik und Präsidentenliste der Perkeo-Gesellschaft Heidelberg, Perkeo-Nachrichten 2005/2006, Heidelberger Adressbuch 1906 sowie digitalisierte Akademische Mitteilungen der Universitätsbibliothek Heidelberg aus den Jahren 1898/99 und 1913/14.
